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Wupperbogen-Ost

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Aus dem Wupperbogen im Advent

Gott wird Mensch (92 - 1. Advent)

Es war Weihnachten 1223. Franz von Assisi hatte eine revolutionäre Idee. Er wollte Weihnachten nicht einfach nur bepredigen, sondern die hochtheologische Botschaft von der Entäußerung Gottes für jedermann sichtbar darstellen. So entstand die erste Krippe, eine leibhaftige Darstellung im bäuerlichen Greccio des 13. Jahrhunderts: mit echten Tieren, mit Ochs und Esel und Schafen, und mit seinen Gefährten als Hirten. Gott wurde Mensch in der Realität damals.

Es naht Weihnachten 2016. Die Krippenbauer von St. Raphael wollen an die Idee des Hl. Franz anknüpfen.
Wo wird Gott heute Mensch und steigt hinab zu seinen Brüdern, die keiner haben will, wie damals in das Kaff Bethlehem, zu den anrüchigen Hirten, zu einfachen Menschen wie Maria und Josef?
Wo machen sich heute Menschen auf, suchen ein Dach über dem Kopf, Herberge und eine neue Zukunft?
Wo fliehen heute Menschen wie damals das Jesuskind vor Gewalt und Verfolgung durch die Machthaber?
Wo scheuen politisches Kalkül und wirtschaftliche Interessen selbst das Opfer von Kindern nicht?

Solche Fragen will unsere diesjährige Krippe "darstellen" – denn Weihnachten ist kein vergangenes Geschehen vor langer, langer Zeit, weitab am anderen Ende der Welt. Weihnachten ereignet sich hier mitten im Europa des 21 Jahrhunderts; Gott wird Mensch in unserer Realität.
Seien Sie gespannt und lassen Sie sich im nächsten Wupperbogen in das erste Bild, das zum 1. Advent eröffnet wird, einführen.

 

Es kommt ein Schiff geladen bis an sein höchsten Bord (93, 2. Advent)

Dieses altvertraute Adventslied steht Pate für die aktuelle Krippe in St. Raphael und will zur Diskussion über Gottes Ankunft in unserer heutigen Welt anregen.

Ein weites Meer und darin immer wieder Schiffe, Boote, Kähne, Rettungsinseln voll mit Menschen, die sich aufgemacht hatten in eine bessere Zukunft. Wir kennen diese Bilder und wollen uns doch nicht daran gewöhnen.

Altvertraute Krippengesichter in heutigem Gewand erzählen von Flucht, von kaiserlicher Willkür, von Aufbruch in dunkler Nacht. Heutige Menschen lassen eine finstere Gegenwart hinter sich, die von Hass, Vertreibung, Krieg und Toten übervoll ist und machen sich auf den Weg übers weite Meer in eine ungewisse Zukunft.

Vertrieben und unterwegs wie das Volk Israel damals träumen sie von einem "hellen Licht, das im Dunkel aufstrahlt". Wo prangt jener helle Morgenstern, der das Ende der Reise und den Beginn einer neuen Zeit verkündet?

Die Handvoll Menschen, eingepfercht in das enge Boot, liest mit bangem Sinn die Prophezeiung des Jesaja: "Nicht mehr zieht Volk gegen Volk das Schwert, und nicht mehr übt man den Krieg" und das Wort des Apostels Paulus "Die Nacht ist vorgerückt, der Tag ist nahe".

Einer hat schon den Stern am Nachthimmel ausgemacht...

 

"Das Schiff trägt ein teure Last" (94, 3. Advent)

So mancher hat die aktualisierte Krippe in St. Raphael bereits betrachtet. Menschen fliehen in einem wackeligen Boot über das gefährliche Meer. Darunter eine Schwangere, die „eine teure Last“ unter ihrem Herzen trägt. Wer dächte da nicht an die Verkündigung durch den Engel Gabriel?!

Maria hat sich nach ihrer anfänglichen Frage "Wie soll das alles geschehen?" auf eine ungewisse Zukunft eingelassen – so wie es auch die übrigen im Boot getan haben.

Wir, die wir auf sicherem Grund vor der Krippe stehen und in sicheren Verhältnissen leben, können uns fragen, wie wertvoll doch die Ankommenden sind. Welche Schätze, Talente und Charismen bringen sie mit aus der Fremde und wie werden sich diese hier bei uns auswirken? Einige Talente haben sich bereits im diesjährigen Krippenaufbau entfalten können und helfen mit die Weihnachtsbotschaft in unser Heute hinein zu sprechen!

Gleichzeitig wird in Politik und Gesellschaft immer klarer, wie teuer diese Lasten sind, die in immer neuen Wellen Europa ansteuern. Wer nicht nur noch auf den billigsten Preis von Fleisch und Fisch, Milch und Getreide, Früchten und Elektronik achtet, der weiß mittlerweile, wie wir in Europa durch unsere Marktpolitik mit dazu beitragen, dass Fluchtursachen bestehen bleiben. Ihre Bekämpfung wird ebenfalls teuer sein und fordert schon jetzt dauerhafte Anstrengungen der reichen Industrienationen ein.

Daher erinnert uns das uralte Adventslied auch daran, dass mittlerweile nichts mehr auf dem Globus passiert, ohne dass es in seinen Auswirkungen für alle im Boot Konsequenzen hat.

 

„Wer dies Kind umfangen, küssen will..." (95, 4. Advent)

"...muss vorher mit ihm leiden groß Pein und Marter viel" – so lautet die 5. Strophe des alten Adventsliedes, die leider oft nicht gesungen wird.

Für nicht wenige der Menschen, die es bis hierher nach Deutschland geschafft haben, bedeutet ihr Glaube an das Kind von Bethlehem weiterhin Gefahr. Ihr Bekenntnis zum christlichen Glauben hat Leiden mit sich gebracht und bereitet auch in Deutschland oft Probleme, wo doch freie Religionsausübung Verfassungsrang hat.

Das zitierte Adventslied weist schon immer darauf hin, dass Weihnachten der hoffnungsvolle Neubeginn Gottes mit seinen Geschöpfen ist. Ihm wenden wir uns im Advent zu, erhoffen und erflehen den Neubeginn, der mit dem Advent=Kirchenjahr angebrochen ist.
Gleichzeitig bedeutet Weihnachten aber auch den Beginn eines dornigen Weges vom Krippenholz ans Kreuzesholz! "Dies Kindelein gibt sich für uns verloren – Gelobet muss es sein!"
Mit der aktuellen Krippe wollen wir diesen Schmerzensweg des Menschensohnes mit seinen Brüdern und Schwestern andeuten: ein Mahnkreuz für die über 4600 bis Dezember im Mittelmeer Ertrunkenen, flackerndes Feuer in Städten wie Aleppo, Mossul, Moghadishu und Kairo.

Und dennoch: Zusammenhalt der Menschen im Boot, Glaube an die biblische Verheißung und Vertrauen in "Immanuel –Gott mit uns", Hoffen und Bangen einer Hochschwangeren – Gott nimmt Wohnung in Europa 2016.

Für die Krippenbauer
Max Straetmanns

 Krippe St. Raphael

 

 Krippe St. Raphael

 

Krippe St. Raphael

 

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